Kirchenmusiktage

Kirchenmusiktag 2019

Im vierjährigen Turnus organisiert der Diözesancäcilienverband Hildesheim Kirchenmusiktage. Diese sind Treffpunkt von Chorsängerinnen und Chorsängern aus dem gesamten Bistumsgebiet. Verschiedene Schwerpunkte prägten die bisherigen Veranstaltungen. So fand der Kirchenmusiktag im Jahr 2015 in Hildesheim dem Thema "Evensong" statt. Im Jahr 2019 stand die Aufführung von Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium Paulus mit ca. 300 Mitwirkenden im Mittelpunkt. Der nächste Kirchenmusiktag wird im Jahr 2023 stattfinden.

Save the date

Der nächste Diözesan-Kirchenmusiktag ist am 23. September 2023 geplant. Bitte merken Sie sich jetzt schon dieses Datum vor!

Rückschau: Kirchenmusiktag 2019

Ein klanggewaltiger Chor aus 400 Chorsängerinnen und -sängern aus dem gesamten Bistum führte am 28.9.2019 im Mariendom Mendelssohns Oratorium „Paulus“ op. 36 auf. Es spielte das Orchester „Sinfonietta Hildesheim“, es sangen hochkarätige Solisten.

So erklang in ungeheurer Intensität der Eingangschor mit dem überzeugenden Bekenntnis zu Gott, dem Herrn, „der Himmel und Erde und das Meer gemacht hat“. Schon zu Mendelssohns Zeiten war dieses Oratorium überaus beliebt. Es überzeugte auch bei dieser Aufführung durch die abwechslungsreiche Gestaltung mit teils hoch dramatischen, teils meditativ verinnerlichten Passagen. Mendelssohn schafft es, die Textaussagen durch seine Musik zu verdeutlichen und zu intensivieren. So wurde das Mitsingen zu einem spirituellen Erlebnis. Mendelssohn selbst war aus tiefster Überzeugung zum Christentum konvertiert und hat sich stark mit Paulus identifiziert.

Der Morgenimpuls im Mariendom begann um 10.00 Uhr mit dem Allegro maestoso aus der 2. Orgelsonate von Mendelssohn, gespielt von Domkantor Dr. Stefan Mahr. Anschließend begrüßte Pfr. Hans-Joachim Leciejewski, als Präses des Diözesan-Cäcilien-Verbandes, der den Kirchenmusiktag organisiert hatte. Bischof Heiner Wilmer wies in seiner Begrüßung auf die besondere Bestuhlung hin, in dem wir den Mariendom erlebten: Die Stühle waren nicht wie sonst Richtung Altar, sondern für die spätere Konzertaufführung in einem Halbkreis quer angeordnet. Der Bischof nannte dies einen neuen „Spannungsbogen“. Die Schriftlesung aus der Apg.16 handelte von Paulus und Silas, die mittels Loblieder die Gefängnismauern sprengten, woraufhin der staunende Gefängniswärter mit seiner ganzen Familie zum christlichen Glauben übertrat. Bischof Heiner führte uns vor Augen, wie viel Energie gläubiger Gesang freisetzen und was er bewirken kann. Vielleicht wird das kirchenmusikalische Potential in unserem Bistum teilweise noch unterschätzt, der Bischof hat es jedoch schon erkannt.

Ab 10.30 Uhr probten die Chorsängerinnen und -sänger in 4 Räumen unter dem Dirigat von Dommusikdirektor Thomas Viezens, und den drei Regionalkantoren Nico Miller (Hannover), Paul Heggemann (Duderstadt) und Bernhard Schneider (Braunschweig). Seit Monaten haben viele Chorsänger aus dem gesamten Bistum immer wieder dafür geprobt. Es zeigte sich, dass sich die Teilnehmer, u.a. durch die Intensiv-Proben, die an verschiedenen Orten angeboten wurden, gut vorbereitet waren.

Mittags waren alle dankbar für die warme Suppe, die vor dem Bischöflichen Generalvikariat angeboten und an den bereitgestellten Tischen und Bänken eingenommen wurde. Man freute sich über ein Wiedersehen mit Menschen, die man länger nicht gesehen hatte, kam aber auch mit fremden Banknachbarn ins Gespräch. Musik verbindet eben.

Um 14.00 Uhr begann die Probe mit dem Orchester im Dom. Nico Miller dirigierte den ersten Teil des Oratoriums, Thomas Viezens den zweiten. Es war spannend, unter fremden Dirigenten zu singen. Die beiden leiteten die Probe zielstrebig, souverän und ruhig. Ich fühlte mich von den sicheren Stimmen um mich herum getragen und eingebettet. Um 16.00 Uhr begann dann das Konzert. Nun kamen auch die Solisten Martina Nawrath mit leuchtendem Sopran, Michaela Ische mit warm timbrierter Alt-Stimme, Tobias Meyer mit deutlich artikulierendem Tenor und Albrecht Pöhl mit lebendigem und gut verständlichem Bass dazu. Bei diesem reinen Mitsingkonzert – der Dom war bereits alleine durch die Mitwirkenden gefüllt – gab es offiziell keine Zuhörer. Der Mariendom erwies sich sowohl akustisch als atmosphärisch als positiv und inspirierend.

Ganz erfüllt von diesem bewegenden und erhebenden Erlebnis spendeten sich am Ende alle Mitwirkenden gegenseitig langanhaltenden, begeisterten Applaus. Pfr. Hans-Joachim Leciejewski verabschiedete die Teilnehmer mit einem Dank an alle Mitwirkenden, Organisatoren und Helfer. Alle, die nicht mitgesungen haben, haben etwas Einzigartiges versäumt.

Beate Schneider